FR  DE  EN  ES  PT
Thema Orte Personen
Staatsarchiv Wallis – Mediathek Wallis – Walliser Kantonsmuseen
/
Entlassung von Georges Bonaventure Gillet
Soldat und Unteroffizier im Regiment de Courten
(Lille, 7. September 1744)

Nach der Niederlage bei Marignano im Jahr 1515 bildeten die Unterzeichnung des Ewigen Friedens mit Frankreich 1516 und der Abschluss eines Verteidigungsbündnisses zwischen Frankreich, den eidgenössischen Orten und den zugewandten Orten, denen das Wallis angehörte, 1521 den Anfang der Fremden Dienste. Das Wallis verpflichtete sich in diesem Rahmen, für den König von Frankreich eine gewisse Anzahl Soldaten bereitzustellen, als Gegenleistung verpflichtete sich der König, hohen Sold zu bezahlen und dem Wallis die Salzversorgung zu sichern. Das Regiment de Courten, das von 1690 bis 1792 in den Händen derselben Familie war, ist das bekannteste und am besten dokumentierte Walliser Regiment. Dies bezeugen dieser Entlassungsschein und Pass, den Pierre Christophe François de Lavallaz, «Kommandant des 3.  Bataillons und Kapitän einer Kompanie des Infanterieregiments de Courten der Republik Wallis in der Schweiz», für Georges Bonaventure Gillet von Siders ausstellte, der «während sechs Jahren als Soldat und während sechs Jahren und sechs Monaten als Unteroffizier» gedient hatte.

Pergament, 41 × 29 cm; französisch
© AEV, Flavien de Torrenté, AT Fl., Pg. 156

Rekrutierung von Siedlern für Nova Friburgo
(1819)

Die erste grosse Übersee-Auswanderungswelle erfolgte 1819 nach Brasilien. Die Giétroz-Katastrophe, bei der zwischen Bagnes und Martinach im Jahr 1818 44 Menschen ums Leben kamen, ist eine Erklärung dafür, dass die grosse Mehrheit der 160 Walliser, die im Herbst 1819 nach Rio de Janeiro reisten, aus der Region Bagnes, Martinach und Entremont stammten, die am direktesten von der Katastrophe betroffen war. Dies bezeugt diese «Aufstellung der Familienoberhäupter des ersten Auswanderungszugs nach Brasilen, welche die Zusage des Generalsekretärs des portugiesischen Konsuls in der Schweiz erhalten haben.» Die von Kommissär Eugène Stockalper am 30. Juni 1819 gemachte Aufstellung nennt alle Familien, die nach Brasilien auswandern wollten und deshalb einen Geldbetrag erhielten, wobei für jede Familie vermerkt ist, aus welcher Gemeinde sie stammte und wie viele Personen über bzw. unter 14 Jahren sie zählte. Von den 119 an diesem Datum erfassten Personen stammten 30 aus Bagnes, 20 aus Martinach, 24 aus Orsières und 5 aus Liddes.
Insgesamt waren es 2006 Personen, die im Herbst 1819 am ersten Auswanderungszug aus der Schweiz beteiligt waren, 830 davon aus Freiburg. Die Schweizer Kolonie wurde Nova Friburgo genannt, da die brasilianischen Behörden, damals unter portugiesischer Verwaltung, einen Kolonialisationsvertrag mit der Freiburger Regierung unterzeichnet hatten.

Papier, 42 × 32,5 cm; französisch
AEV, DI, 194.4.1/16a

Auswanderungszug unter der Leitung von Eleuthère Besse
(Sitten, 30. März 1857)

Zwischen 1855 und Anfang des 20. Jahrhunderts liessen sich die Walliser Auswanderer im Wesentlichen in Argentinien nieder, die französischsprechenden in den Kolonien Esperanza und San José, die Oberwalliser gründeten die Kolonie San Jeronimo Norte. Die Generalagentur Beck und Herzog in Basel gewährleistete die allgemeine Organisation der Auswanderung. Sie veröffentlichte regelmässig Anzeigen in der Walliser Presse und suchte im Kanton über ihre Lokalagenten Eleuthère Besse, Notar in Sitten, und Martin Pache, Notar in Martinach nach Auswanderungswilligen. Dies bezeugt dieser Brief, den Notar Eleuthère Besse am 30. März 1857 an den Staatsrat richtete: «Vor einigen Tagen kamen zwei Abordnungen aus dem Oberwallis zu mir, mit der Bitte, ich solle mich um die Leitung eines Auswanderungszugs nach Südamerika kümmern. Einem Brief zufolge, den ich erhalten habe, handelt es sich um rund 150 Personen. Jede Familie sei im Besitz der gesetzlich verlangten 1 200 Franken, was sie noch belegen müssen. Diese Leute wollen als freie Passagiere gehen und beauftragen mich, ihre Reise vorzubereiten. Einige wollen zu ihren Familien in Santé Fé gehen, andere möchte sich in einer der argentinischen Provinzen niederlassen.
Ich habe mich um ihre Ausreise gekümmert, habe in den beiden Meereshäfen Vorkehrungen getroffen, und ich habe es mir vorbehalten, Sie darüber zu informieren, in der Überzeugung, dass Sie mir keine Hindernisse in den Weg meines Unterfangens legen werden, welches von diesen Personen gewünscht wird.
Die Preise, die ich erhalten habe und die ich verlange, beweisen, dass andere Gesellschaften zu hohe Preise verlagen. Ich werde folglich nur Reiseverträge abschliessen, und meine Korrespondenz mit einer Person in einem der meistgenutzten Häfen Südamerikas wird belegen, dass die Auswanderer selbst am besten zurechtkommen, statt einer europäischen Gesellschaft Geld zu bezahlen.»

Papier, 50 × 36,5 cm ; französisch
AEV, DI, 194.5.5

Reisebericht von Johannes Bodenmann
Gründung von San Jeronimo Norte
(18 April 1858)

1857 verliess eine Gruppe von 80 Oberwalliser Auswanderern Sitten, um über Antwerpen nach Argentinien zu gelangen. Die von den Gebrüdern Lorenz und Johannes Bodenmann aus Grengiols angeführten Auswanderer stammten mehrheitlich aus dem Goms und den Bezirken Raron und Leuk. Nachdem der Zug im April 1857 das Wallis verlassen hatte, liess er sich im August 1857 in der Provinz Santa Fe nieder, in der Nähe des Indianerreservats San Jeronimo del Sauce, 40 km östlich der Provinzhauptstadt. Als alle Auswanderer eingerichtet waren, kehrte Lorenz Bodenmann ins Wallis zurück, um einen weiteren Auswandererzug nach Südamerika zu begleiten. So steht es auf jeden Fall im Bericht über die Reise von Johannes Bodenmann nach Amerika, den dieser am 18. April 1858 auf Deutsch verfasste.

Papier, 43,5 x 35 cm; Deutsch
AEV, DI, 195.6

Plan der Kolonie San José
(Argentinien, undatiert)

Die Mehrheit der Auswanderer aus dem französischsprachigen Wallis liess sich in den argentinischen Kolonien Esperanza und San José nieder. Dieser Plan von San José, aus der Zeit nach 1859, bezeugt dies. Betrachtet man nämlich die Schweizer Bodenbesitzer, erkennt man viele Familiennamen aus dem Wallis. Abt Laurent Cot veröffentlichte 1859 eine Beschreibung der Kolonie San José: «Die Kolonie San José liegt in der Provinz Entre Rios am rechten Ufer des Flusses Uruguay bei 32 Grad Süd und 60 Grad West. Es gibt hier rund 125 Familien, rund 15 stammen aus Savoyen, einige aus dem Kanton Basel, andere aus Luzern, weitere aus Bern. Die Mehrheit stammt aus dem Wallis. Alle Konzessionen sind quadratisch; eine Seite ist 600 Vares lang [das Längenmass Vare entspricht 0,866 Metern]. Die Strassen zwischen den Konzessionen sind 16 Vares breit. Etwa in der Mitte der Kolonie wurde eine Konzession reserviert für den Bau der Kirche, des Pfarrhauses, der Schule usw. usw.».

Papier, 64 x 64 cm; spanisch
AEV, DI, 356.26

Emigrantenregister
(1871)

1871 beschloss der Kanton Wallis, ein kantonales Emigrantenregister zu führen. Es liefert Informationen über die Personen und Familien, die zwischen 1849 und 1879 nach Argentinien, Nordamerika oder Nordafrika ausgewandert sind. Es enthält die Namen von 6 629 Personen. Im Verwaltungsbericht des Staatsrats von 1871 nennt eine Mitteilung des Departements des Innern das Erstelldatum des Registers und die genutzten Quellen: «Da es beim Staat bisher kein vollständiges Emigrantenregister gab, liessen wir die Gemeinden eine allgemeine Erfassung seit Beginn der Auswanderung erstellen.» Dieses Dokument wurde somit rückwirkend für die Zeit von 1849 bis 1871 erstellt; von 1871 bis 1897 wurde es von einer kantonalen Dienststelle geführt, die sich auf die Informationen der Gemeinden stützte; leider ist das Register alles andere als vollständig.

Papier, 38,5 x 49 cm; französisch
AEV, DI, 358

Werbeanzeige für die Auswanderungsagentur Otto Stoer in Basel
(1882 und 1885)

In der Walliser Presse wurden regelmässig Anzeigen von Auswanderungsagenturen veröffentlicht. Ein Beispiel dafür sind diese beiden Anzeigen, die im Abstand von einigen Jahren (1882 und 1885) in zwei Walliser Zeitungen erschienen sind – Nouvelle Gazette du Valais und Walliser Bote. Die Generalauswanderungsagentur Otto Stoer, in Basel, bietet ihre Dienstleistungen an für eine sorglose Reise nach Amerika zu reduzierten Preisen.

Papier; französisch und deutsch
MV, BCV J 26, Nouvelle Gazette du Valais, Nr. 85, 25. Oktober 1882, S. 4; MV, BCV J 36, Walliser Bote, Nr. 9, 28. Februar 1885, S. 4

Powered by 
 - Gehostet auf dem wissenschaftlichen Netzwerk Wallis VSnet
Musées Cantonaux, 4350 2016/3 2/7
Musées Cantonaux, 4350 2016/3 2/7
Musées Cantonaux, 4350 2016/3 2/7
Musées Cantonaux, 4350 2016/3 2/7
Département de l’Intérieur 356.26
Département de l’Intérieur 194.4.1